Vor Gott das Herz ausschütten

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„Hoffet auf ihn allezeit, liebe Leute, schüttet euer Herz vor ihm aus; Gott ist unsere Zuversicht.“ (Psalm 62,9/Luther 1984).

Dieser Vers entstammt einem Psalm Davids. David ermutigt seine Volksgenossen auf Gott zu vertrauen.

In der Lutherbibel ist der Psalm mit den Worten „Stille zu Gott“ überschrieben. Im ersten Vers betet und vertraut David: „Meine Seele ist stille zu Gott, der mir hilft.“ David hat in jungen Jahren viel Schweres erleben müssen. Er musste vor seinem eigenen König fliehen, der ihn aus Neid wegen seiner Heldentaten töten wollte. Was er in diesem Psalm schreibt, hat er sicher auch in schwerster Zeit geübt: Stille sein und auf Gott hoffen.

„Schüttet euer Herz vor ihm aus…“ David ermutigt zum Gebet. Wer zu Gott beten will sollte wissen, es kommt beim Beten nicht in erster Linie auf Etikette an. Gott möchte gerne, dass wir aus tiefstem und ehrlichem Herzen zu ihm beten.

Wir dürfen zu Gott sagen wie es uns wirklich geht. Wir dürfen all unsere Gedanken, Sorgen, Ängste und Zweifel vor ihm ausschütten.

Dennoch ist Gott heilig. Wer sich auf Gott einlässt und ihm sagt, was ihn wirklich beschäftigt, der wird vielleicht auch anfangen zu fragen, was Gott ihm gerne sagen würde. Es kann sein, dass man beim aufrichtigen Beten auf einmal anfängt, irgendwelche bekannten Aussagen der Bibel mit der eigenen Situation in Verbindung zu bringen.

Wir dürfen zu Gott kommen wie wir sind, aber wir brauchten dabei nicht zu bleiben wie wir sind. Wir dürfen Gott sagen wie wir die Dinge sehen. Doch wer Gott vertraut bekommt die Chance über eigene Gedanken hinauszuwachsen.

Freilich geschieht so etwas nicht immer sofort. Im Buch Hiob hat dieser oft sein Leid geklagt. Auch seine Freunde haben vieles gesagt. Aber erst gegen Ende des Buches wurde Hiob wirklich still vor Gott; und Gott begann zu ihm zu reden. Hiob fing dann an über die Wundertaten Gottes zu staunen, obwohl sein Leben bis dahin von extremem Leid gekennzeichnet war.

Das Buch Hiob ist zweiundvierzig Kapitel lang. Wenn man das ganze Buch am Stück lesen will, ist man eine Weile beschäftigt. Wer vor Gott sein Herz ausschütten und von ihm getröstet werden will, sollte nicht schnell aufgeben, sondern beständig nach Gottes Antwort Ausschau halten.

„Gott ist unsere Zuversicht.“ Der Glaube an Gott war es, was David in vielen schwierigen Situationen durchgetragen hat. David ermutigt die Menschen seines Volkes: Gott kann Gläubige selbst in großen Schwierigkeiten ruhig und zuversichtlich machen.

In dem viel bekannteren 23. Psalm sagt David, dass Gott seinen Leuten selbst im Angesicht ihrer Feinde einen Tisch decken kann. Warum nicht an dieser Stelle noch einmal den ganzen Psalm lesen?

„Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln. Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser. Er erquicket meine Seele. Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen. Und ob ich schon wanderte im finsteren Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich. Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde. Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein. Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang, und ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar.“

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