Wer war Jesus wirklich? Wer sind wir?

War Jesus ein Revoluzzer? Ist er mit seinen gesellschaftskritischen Gedanken zu weit gegangen? Nun, auf den ersten Blick kann man sagen, dass Jesus als Aufrührer am Kreuz hingerichtet wurde. Oberhalb seines Kopfes, am Kreuz, befand sich ein Schild mit den Worten: „Jesus von Nazareth, der König der Juden.“

sign showing raised fist
Photo by Jo Kassis on Pexels.com

Erst auf den zweiten Blick, wenn man die vorliegenden Berichte über die Gerichtsverhandlungen liest, erfährt man, dass der römische Statthalter nicht davon überzeugt war, dass Jesus ein Aufrührer sei. Er hatte zu den verantwortlichen Juden gesagt: „Ich finde keine Schuld an ihm!“

Erst als diese konterten, sie wollten sich beim Kaiser über Pilatus beschweren, gab dieser nach. Er ließ das Schild schreiben: „Jesus von Nazareth, König der Juden“. Die jüdischen Anführer betonten, dieses Schild sei falsch, schließlich sei Jesus ja nicht ihr König gewesen, sondern er habe behauptet so etwas zu sein.

Bei genauerem HInsehen, stellt man also fest, dass es nicht so eindeutig klar ist, warum Jesus zum Tod am Kreuz verurteilt wurde.

HIer ein Auszug aus dem Gespräch zwischen Pilatus und Jesus (Johannes 18,36-38):

Jesus antwortete: Mein Reich ist nicht von dieser Welt. Wäre mein Reich von dieser Welt, meine Diener würden kämpfen, dass ich den Juden nicht überantwortet würde; nun aber ist mein Reich nicht von dieser Welt.

Da fragte ihn Pilatus: So bist du dennoch ein König?

Jesus antwortete: Du sagst es,ich bin ein König. Ich bin dazu geboren und in die Welt gekommen, dass ich die Wahrheit bezeugen soll. Wer aus der Wahrheit ist, der hört meine Stimme.

Spricht Pilatus zu ihm: Was ist Wahrheit?

So verlief das Verhörgespräch zwischen Pilatus und Jesus. Pilatus bekam nicht den Eindruck, dass Jesus einer sei, der versuchen würde, mit LIst und Gewalt einen politischen Umsturz herbeizuführen.

Warum waren die religiösen Anführer der Juden gegen Jesus?

Warum waren die religiösen Anführer der Juden gegen Jesus? Sie fürchteten um ihren Einfluß. Sie hatten durch Kompromisse und politisches Kalkül eine gewisse Eigenständigkeit des jüdischen Volkes gegenüber den römischen Besatzern erhalten. Sie fürchteten Konsequenzen, sollte das Volk sich vom ausgehandelten Status quo entfernen.

Jesu Kritik an den religiösen Eliten seines Volkes

Jesus hatte die religiösen Eliten seines Volkes kritisiert. Viele von ihnen waren sehr reich geworden. Jesus scheint manchen von ihnen vorgeworfen zu haben, sie hätten mehr ihren eigenen Vorteil und ihre Macht gesucht, als das Wohl ihres Volkes.

„Da redete Jesus zu dem Volk und zu seinen Jüngern: Auf dem Stuhl des Mose sitzen die Schriftgelehrten und Pharisäer. Alles nun, was sie euch sagen, das tut und haltet: aber nach ihren Werken sollt ihr nicht handeln; denn sie sagen’s zwar, tuns aber nicht. Sie binden schwere und unerträgliche Bürden und legen sie den Menschen auf die Schultern; aber sie selbst wollen keinen Finger dafür krümmen. Alle ihre Werke tun sie, damit sie von den Leuten gesehen werden…“ (Matthäus 23,1-5a).

Jesus und das einfache Volk

Jesus hatte ein Herz für das einfache Volk. Er kümmerte sich um Arme, Notleidende, Kranke und Ausgestoßene.

„Als aber alles Volk zuhörte, sprach er zu seinen Jüngern: Hütet euch vor den Schriftgelehrten, die es lieben, in langen Gewändern einherzugehen, und lassen sich gern grüßen auf dem Markt und sitzen gern obenan in den Synagogen und bei Tisch; sie fressen die Häuser der Witwen und verrichten zum Schein lange Gebete. Die werden ein um so härteres Urteil empfangen.“ (Lukas 20,45-47).

Er kannte die blinden Flecken der religiösen Anführer. Er wusste, dass Selbstgefälligkeit blind machen kann für die Nöte anderer Menschen.

In der Tradition alttestamentlicher Propheten

Ähnlich wie es einst die alttestamentlichen Propheten getan hatten, sprach Jesus seine Kritik an den Eliten seines Volkes offen aus. Ähnlich wie die damaligen Anführer des Volkes wollten auch Zeitgenossen Jesu nicht auf das prophetische Wort hören.

Die jüdische Obrigkeit fürchtete um ihren Einfluß. Sie hassten es, als Jesus vom einfachen Volk bejubelt wurde.

Politisches Kalkül der jüdischen Oberen

Gegenüber Pilatus sagten sie, sie wollten keinen Aufruhr gegen Rom. Sie bezichtigten Jesus des Aufruhrs. Gleichzeitig forderten sie die Amnestie eines von den Römern verurteilten Aufrührers namens Barrabas.

(Ihre Politik verhinderte auch nicht, dass Juden vierzig Jahre später einen bewaffneten Aufstand gegen die Römer durchführten. Dieser Aufstand wurde von den Römern blutig niedergeschlagen. Die Juden verloren ihren seitherigen Status im römischen Reich.)

Passionsspiele: Ein Aufruf Nachzudenken.

(Bundesarchiv, B 145 Bild-F008234-0006A / Ilgner, Gerhard Dr. / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 DE https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/deed.en, via Wikimedia Commons – Das Bild zeigt die Eröffnung der Passionsspiele Oberammergau im Jahr 1960).

Die Ereignisse um die Passion Jesu wurden oft nachgespielt. Ich möchte einmal jeden meiner Leser direkt fragen: Welche Rolle würde zu dir passen? Welches Verhalten ähnelt Deinem eigenen Verhalten? In welchen Einstellungen und Denkweisen kannst Du Dich wiederfinden? Kanndie Botschaft Jesu Dich dazu bewegen, Dein Verhalten und Deine Einstellung zu überdenken?

(Die Bibelzitate in diesem Beitrag entstammen der Lutherbibel 1984)