Gott segnet demütige Beter

„Gott widersteht den Hochmütigen, aber den Demütigen gibt er Gnade.“ (Jakobus 4,6/Luther 1984).

Vor zwei Wochen habe  ich den biblischen Bericht vom Turmbau zu Babel angeführt, als ein Beispiel dafür, wie Gott hochmütigen Menschen widerstehen kann. Sie wollten sich einen Namen machen. Das Ende der Geschichte war, dass die Menschen sich in alle Lande verstreuten, weil sie sich gegenseitig nicht mehr verstanden. Gott hatte ihre Sprachen verwirrt.

Manche Theologen haben festgestellt, dass am Pfingsttag sich eine Umkehrung dieser Sprachenverwirrung ereignet hat. Die Jünger predigten und lobten Gott. Viele Menschen waren in Jerusalem, um am jüdischen Pfingst- oder Wochenfest teilzunehmen. Unter ihnen waren Leute, die sonst fernab vom jüdischen Kernland und fernab von Jerusalem lebten.

Sie wunderten sich darüber, dass sie die Jünger verständlich und in ihrer eigenen Sprache reden hörten. Das hatten sie nicht erwartet, denn sie merkten, dass die Jünger eigentlich ungebildete Leute aus der Provinz Galiläa waren.  Jüdische Menschen aus Rom, beispielsweise, hätten vermutlich manchmal Schwierigkeiten gehabt, einen Kauderwelsch zu verstehen, der in galiläischer Abgeschiedenheit gesprochen wurde.

Die Besucher des Pfingstfestes unterschieden sich auch in gedanklicher Hinsicht voneinander. Während Juden und Freunde des Judentums in anderen Ländern immer von heidnischen Menschen unterschiedlicher Couleur umgeben waren, konnten Juden im Kernland viel leichter unter sich bleiben. Sie konzentrierten sich auf ihr  jüdisches Erbe und grenzten sich von griechischen und anderen heidnischen Einflüssen dezidiert ab.

Nun aber zurück zur Sprachverwirrung nach dem Turmbau zu Babel und zu dem Sprach- oder Hörwunder am Pfingstfest. Wenn der menschliche Hochmut in Babel dazu geführt hatte, dass sie sich gegenseitig nicht mehr verstanden, so hatten die Jünger sich vor Gott gedemütigt und Gott schenkte es, dass solche aus fernen Ländern verstehen konnten, was die Jünger sagten.

Diese Leute stellten fest, sie hörten die Jünger die großen Taten Gottes rühmen. Wenigstens für den Augenblick vergaßen sie die kulturellen und sonstigen Unterschiede. Sie merkten: ‚Das was die Jünger redeten betrifft auch unseren eigenen Glauben und es geht irgendwie um Kernanliegen unseres Glaubens. ‘ Sie empfanden: ‚Das hat etwas damit zu tun, warum wir Gottesdienste in den Synagogen besuchen und warum wir die weite Reise zum Pfingstfest nach Jerusalem auf uns genommen haben. ‘

„Den Demütigen gibt Gott Gnade.“ – Letzte Woche habe ich einen Vers aus dem Alten Testament behandelt, aus dem hervorgeht, wie sich vor Gott demütigen praktisch aussehen könnte. Daraus ergaben sich drei Antworten: 1. Beten, 2. Gottes Angesicht suchen und 3. von bösen Wegen umkehren.

Zwischen der Himmelfahrt Jesu und dem Pfingstfest, hatten die Jünger sehr viel Zeit damit verbracht, dass sie alle gemeinsam zu Gott beteten. Wir lesen: „Diese alle waren stets beieinander einmütig im Gebet samt den Frauen und Maria, der Mutter Jesu, und seinen Brüdern.“ (Apostelgeschichte 1,14).

Zuvor freilich hatten die Jünger ihre Berufe und Familien zurückgelassen. Sie waren mit Jesus umhergezogen, um von ihm die Wege Gottes zu lernen.