Ein Gebet bei schwindendem Mut

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„Mein Herz ist geschlagen und verdorrt wie Gras, dass ich sogar vergesse, mein Brot zu essen.“ (Psalm 102,5/Luther 1984).

Schwierige Lebensumstände können sich auf unser Herz, d.h. auf unsere Stimmung auswirken. Der Psalmist stellt fest, dass er sich irgendwie ausgetrocknet und leer fühlt.

Hitze und wenig Regen kann dazu führen, dass Gras verdorrt. Was muss passieren, dass ein Mensch sich in seinem Herzen kraft- und saftlos fühlt?

Menschen stellen fest, dass sie irgendwie ausgebrannt oder depressiv sind. Manche setzen ihre Hoffnung auf eine medikamentöse Behandlung.

Ich frage gerne nach den Umständen, wenn jemand bedrückt und niedergeschlagen ist. Auch wenn eine psychische Störung auftritt, würde ich eventuell danach fragen, was diese Probleme ausgelöst hat. Was hat ein Patient erlebt kurz bevor diese Krankheit ausgebrochen ist?

Der Psalmist sagt, ihm fehle der Appetit. Er kommt sich innerlich so vertrocknet vor, dass er das Essen vergisst.

Der Psalmist betet angesichts seiner emotionalen Dürrezeit zu Gott: „Herr, höre mein Gebet und lass mein Schreien zu dir kommen! Verbirg dein Antlitz nicht vor mir in der Not, neige deine Ohren zu mir; wenn ich dich anrufe, so erhöre mich bald!“ (Verse 2+3).

Dann beschreibt er wie es ihm ergeht und was er empfindet. Er vergleicht sich mit einem einsamen Vogel. (Verse 7+8). Er weint viele Tränen. (Vers 10). Er hat Lebensfreude verloren und er sagt: „Meine Tage sind dahin wie ein Schatten“. (Vers 12a).

Ihm ist bewusst, dass andere negativ über ihn denken und reden. Er hat Gegner, die ihn verspotten. Sie benutzen seinen Namen, wenn sie fluchen wollen. (Vers 9).

Trotzdem weiß er sich in Gottes Hand. Er konzentriert sich nicht zu sehr auf seine Widersacher.

Seine Trauer beinhaltet auch Busse. Er weiß um seine eigene Sündhaftigkeit oder vielleicht um spezielle Verfehlungen. Er sagt, er esse „Asche wie Brot“. Asche haben Menschen manchmal über sich geschüttet, wenn sie zerknirscht waren und wenn sie zeigen wollten, dass sie über ihre Sünden trauerten. (Vgl. Vers 10).

Mehr als seine Feinde fürchtet er Gottes Drohen und seinen Zorn. Er stellt fest, Gott habe ihn hochgehoben und zu Boden geworfen. (Vers 11).

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Dann denkt er für einen Moment über Gott selbst nach: „Du aber, Herr, bleibst ewiglich und dein Name für und für.“ (Vers 13). Daraufhin bekommt sein Gebet eine neue Richtung.

Er denkt nicht mehr nur an sich selbst. Er möchte, dass es Zion, der Stadt des Herrn, wohl geht. (Vers 14). Er und andere Beter sind bedrückt, weil die Stadt, in der man Gott verehrt und anbetet, in Trümmern liegt. (Vers 15). Er möchte gerne, dass auch die Heiden Gott fürchten. (Vers 16).

Er wird zuversichtlich: „Ja, der Herr baut Zion wieder und erscheint in seiner Herrlichkeit. Er wendet sich zum Gebet der Verlassenen und verschmäht ihr Gebet nicht.“ (Verse 17+18).

Er bezeichnet sich und andere seiner Volksgenossen als Gefangene und als Kinder des Todes. (Vers 11). Er hofft darauf, mit anderen zusammen einst wieder nach Jerusalem gehen und Gott dort loben zu können. (Vers 22).

Er weiß, dass seine Kräfte schwinden. (Vgl. Vers 24). Er betet aber: „Mein Gott, nimm mich nicht weg in der Hälfte meiner Tage!“ (Vers 25a).

Die Tatsache, dass Gott immer der Selbe bleibt, gibt ihm neuen Mut. Das gibt ihm auch die Hoffnung, dass es auch in Zukunft Menschen geben wird, die nach Gott fragen, und die nach seinen Geboten leben. (Verse 28+29).

(Wer den ganzen Psalm nachlesen möchte, kann das hier tun. Einfach diesen Link anklicken!)

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