„Recht muss doch Recht bleiben…“

Mai 2012 013

„Denn Recht muss doch Recht bleiben, und ihm werden alle frommen Herzen zufallen.“ (Psalm 94,15/Luther 1984).

Wieder habe ich einen Vers aus dem Psalmen, in dem das Wort ‚Herz‘ vorkommt. Dieser Vers nennt uns eine Eigenschaft frommer Herzen. Aus diesem Vers können wir etwas darüber lernen, was der Psalmist unter Frömmigkeit versteht: Fromme Herzen haben ein gesundes Rechtsempfinden.

Gerade dann, wenn in einer Gesellschaft Unrecht geschieht, besinnen sich fromme, aufrichtige Menschen auf das Recht. Gerade aufmerksame Bibelleser haben die Möglichkeit, ihre Sinne für Recht und Unrecht zu schärfen. Es ist gut, wenn christliche Menschen mit offenen Augen und offenen Ohren durch die Welt gehen, und darauf achten, wenn in ihrer Umgebung Unrecht geschieht.

Im alten Israel gab es immer wieder Könige, die nicht nach Gott fragten. Manche von ihnen verehrten andere Gottheiten und hingen anderen Wertvorstellungen an. In der Weltgeschichte gab es viele Herrscher, deren Hauptanliegen es war, ihre eigene Macht zu erhalten. Damit gepaart war oft ein Verlangen nach Reichtum und Vergnügungen.

Der Psalmist spricht vom „Richterstuhl der Bösen, die das Gesetz missbrauchen und Unheil schaffen. Sie rotten sich zusammen und verurteilen unschuldiges Blut.“ (Vers 20). Er beklagt: „Witwen und Fremdlinge bringen sie um und töten die Waisen.“ (Vers 6). Insgesamt richten sie in der ganzen Nation großen Schaden an: „Herr, sie zerschlagen dein Volk und plagen dein Erbe.“ (Vers 5).

Gerade angesichts dieser Situation betet der Psalmist zu Gott. Gott hatte in den fünf Büchern Mose klare Rechtsmaßstäbe gegeben. Von Gott erhofft er sich die Kraft, um in dieser schwierigen Zeit zu bestehen. Sein Glaube an Gott gibt ihm die Hoffnung, dass sich die Dinge wieder zum Guten wenden könnten.

In einer Zeit, in der das Recht häufig verdreht wurde, proklamiert er: „Denn Recht muss doch Recht bleiben“. Gott ist für ihn die Grundlage menschenfreundlicher Rechtsvorstellungen.

Gott wusste, was alles passieren kann, wenn unter Menschen nur das Recht des Stärkeren zählt. Deshalb hat er im mosaischen Gesetz betont, dass man in der Rechtsprechung die Anliegen der Schwachen, z.B. der Witwen, der Fremdlinge und der Waisen nicht übergehen dürfe. Diese Menschen haben es besonders schwer und Gott möchte, dass man auf sie Rücksicht nimmt.

Wahre Frömmigkeit im Sinne der Bibel hat etwas mit gesundem Rechtsempfinden zu tun. Das darf auch in unserer Zeit nicht in Vergessenheit geraten.

Im evangelischen Konfirmandenunterricht nach lutherischer Tradition werden die Zehn Gebote ausführlich besprochen. Es ist wichtig, dass auch Kinder und Jugendliche ein Empfinden für Recht und Unrecht, für Gut und Böse entwickeln.

Die „Royal Rangers“ (eine freikirchliche Pfadfinderarbeit) heben die goldene Regel besonders hervor. Jesus hat gesagt: „Alles nun was ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, das tut ihnen auch.“ (Matthäus 7,20a). Wer zu einer dieser Gruppen gehören will, muss dieses Wort Jesu kennen. Kinder sollen lernen, ihr Verhalten nach dieser Regel auszurichten.

Es ist wichtig, dass es auch in Zukunft fromme Menschen gibt, die selbst in schwierigen Zeiten an klaren Maßstäben von Recht und Unrecht festhalten. Wo es noch solche Menschen gibt, besteht noch Hoffnung!

DSCF1450BLTMOP

12 Gedanken zu „„Recht muss doch Recht bleiben…“

  1. Die Umkehrung dieser goldenen Regel, (Matth. 7.12) „was Du nicht willst, dass man Dir tu, das füg auch keinen andern zu“ halte ich selbst für realistischer – vorallem im 21. Jhdt.
    Denn nur allzu leicht provoziert das Original das Argument, dass das was Du gerne hättest, ich aber gar nicht mag und umgekehrt.
    Doch ich denke, dass beides im 21. Jhdt für die allermeisten Menschen keinerlei Bedeutung hat.
    Es zählt nur noch „ich will alles, und das sofort, und es ist mir jedes Mittel recht, meinen Willen durchzusetzen, nötigenfalls gehe ich über Leichen“.
    Doch die Kabbalah (Jesus war eindeutig Kabbalist) sagt, dass es genau so geschehen muss, damit die Menschen irgendwann die Wahrheit erkennen und sich bewusst für sie entscheiden. Und dann, aber nur dann, wird es ihnen gelingen, den Himmel auf Erden zu bringen.
    Ein herzliches Schabbat Schalom Remo ❤

    Gefällt 1 Person

  2. Hallo Anyone 100! Danke für Deinen Kommentar. Ich habe daran gedacht, dieses Sprichwort auch noch anzuführen, aber dann wäre der Beitrag zu lange geworden. Ja, man muss bedenken, dass Geschmäcker und Interessen verschieden sind.

    Zugegeben, ich kenne die Kabbala nur dem Namen nach. Aber der Gedanke ist sicher richtig. Wenn offensichtliches Unrecht geschieht, kann das dazu führen, dass andere sich nach besseren Praktiken sehnen. Wer unter Rücksichtslosigkeit anderer leidet, fängt vielleicht an, darüber nachzudenken wie viel besser es wäre, wenn Menschen aufeinander Rücksicht nehmen würden.

    Viele Grüße zurück, Schabbat Schalom!

    Gefällt 1 Person

  3. Was Er doch alles und zu jeder Zeit in unser Herz schreiben möchte … –
    und wie oft wir es nicht zulassen.

    Dann hat es es „mal“ mit seinen „Herzenswünschen“, in Stein geschrieben versucht – doch, was wir daruas machen, können wir u.a. auch in der Bibel lesen … in die eine, wie in die andere Richtung .. und leider eben nicht aus erkennender, ungefärbter Liebe.

    Dieser Langmut, diese Liebe,
    ich staune erhfurchtsvoll,

    Raffa.

    Gefällt 1 Person

  4. Hallo Raffa, danke fürs Vorbeischauen und Mitdenken. Ja, wenn wir über unsere eigene Sündhaftigkeit nachdenken, fangen wir an, über Gottes Güte zu staunen. Gott lädt uns ein. Gott ist auch mit anderen geduldig und gibt ihnen noch eine Chance, ihr Leben zu ändern.

    Liken

  5. Yepp,
    enken wir nur an den Schächer am Kreuz oder
    die Weinberg-Tagelöhner, welche um 17 Uhr „ihren Dienst“ antraten
    und der Lohn der gleiche ist …

    Liken

  6. Friede sei mit dir.
    Es tut mir leid, hier weiter auf Englisch zu schreiben, um schnell zu sein, da Deutsch etwas länger dauern würde.

    Auf jeden Fall wünsche ich Ihnen viel mehr Freude am Blog, aber wagen Sie es auch, sich Gedanken über Ihre Gottheit und den Gott Jesu Christi sowie darüber zu machen, was die Gesetze Gottes tatsächlich beinhalten.

    Throughout history, there have always been many rulers in world history whose primary concern has been to maintain their own power Today we still find several leaders doing everything to lengthen their time as president or ruler (cfr. Putin).

    In this world, not many people have an ear to God’s given clear legal standards in the Pentateuch of Moses.

    The Ten Commandments may be discussed in detail in Protestant confirmation classes based on Lutheran tradition, but those protestants still worship the same false god as the Catholics and in recent years we have sene that they again started having images in their churches.

    You correctly write that it is important that children and young people also develop a feeling for right and wrong, for good and bad. Therefore they should learn the first rule, which is having only One True God Who is One (and not two or three).

    A Christian should be a follower of Christ, the Jewish Nazarene rebbe Jeshua; and should worship the same God as him. He did not worship himself but prayed to his heavenly Father, the God of Abraham, Who is a Divine Spirit no man can see. Christians should follow the teachings of Jesus Christ and take his words at heart.

    It is important that there will continue to be devout people who will stick to clear standards of right and wrong even in difficult times, but that enhances also the right and wrong to the Laws of God. Having only One True God and not having other gods nor bowing down in front of images

    From Scriptures we do know that the time that the Good News shall be spread all over the world shall be one of the signs coming closer to the endtimes. As such we can find more and more people who have made up only to worship One God and having placed their hope in His sent one, Jeshua (Jesus Christ) the Messiah who has given the world hope!

    Deine Zuneigung,
    Immanuel

    Gefällt 1 Person

  7. Hallo Raffa, ja das stimmt. Der Schächer hatte wirklich etwas verbrochen. Aber er gestand es auch ein, dass er mit Grund am Kreuz hing. Jesus vergibt ihm. – Und wie gütig, dass der Weinbergbesitzer auch denjenigen, die erst spät am Tag zu arbeiten begonnen haben, noch einen Tageslohn gibt. So haben auch sie was sie zum Leben brauchen.

    Gefällt 1 Person

  8. Hallo Immanuel! Thank you for your long comment. Well, I am a Christian and I favour the doctrine of the Trinity. God to me is a triune God. I know that both, Islam and Judaism bjhect to this teaching as they hold this was really a believe in three deities. Admittedly also many Christians find it hard to understand the doctrine of the Trinity. How can three persons in the Godhead be but one deity?

    To me the good News about the deity of Jesus Christ is that in Him God really descended on our Level. Though he was fully divine he became fully human. Because of that he can feel with us. He could explore our weaknesses and finally he carried our sins on the cross of Calvary.

    In the Course of the history of the Christian church there also have been many discussions concerning the deity of Jesus Christ. In the fifth century AD an ecumenical council was Held on this subject in NIcea. This council was headed by the Roman Emperor who had decided to chritianise the Roman Empire. Some of the Christian Bishops at that time would also have suffered during the persecution of Christians through previous Emperors.

    In the council of Nicea the Christian Leaders clearly concluded that Jesus Christ was fully divine and eternally begotten by God the Father, not created. From that time onwards this became the teaching of Mainstream Christendom.

    I understand that since this council the Christian church also was more separate from the Jews. Apparently the Emperor Constantine having become a Christian and intending to chritianise the Roman Empire in doing so did not want to give the Jews more power than they previously had had. I think he passed some edicts that would Keep the Christian church more separate from the Jewish Religion than previously.

    I do support the conclusions of the Niceane council concerning the deity of Jesus Christ, which seems to be the teaching of the New Testament. Yet I do regret that at that time some Anti-Jewish edicts have been passed. So it happened that the church began to become somewhat unaware of its Jewish roots.

    On the one Hand it was a great Progress that Christianity became the official Religion of the Roman Empire. On the other Hand this also opened the door for more heathen ways of thinking within the church. Probably too many People became Christians by edict of the Emperor rather than by personal repentance and conversion.

    I know that Judaism disagrees with the doctrine of the Trinity. Yet to me the believe in the Triune God, God the Father, God the Son and God the Holy Spirit still is a believe in only one God.

    Greetings and Peace,
    Thomas

    Liken

  9. Ja, wohl wahr
    und beide „Beispiele“ gehen ja noch weiter.

    Der Schächer hat ja direkt ein „Einladungsschreiben“ erhalten,
    und die Tagelöhner, alle, auch ihren Lohn!

    Gefällt 1 Person

  10. Dear Thomas,

    When Jesus would be God, do you then believe God does not know everything or in case God is an All-knowing Being (what we believe) do you not think Jesus a god the son as well God the Father told on several occasions not the truth, which we then would consider to be telling lies?

    Liken

  11. Dear Immanuel,
    Well, I do believe that God is All-knowing (omniscient).
    Is there any reason to think that Jesus at times did not tell the truth? Is there anything you would consider a lie? Why are you asking me that?

    Liken

  12. Pingback: Zusammenfassung: „von Herzen“ (Teil 2) | Christen finden Ruhe

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s