Ein böser Geist, der Ruhe sucht

„ Wenn der unreine Geist von einem Menschen ausgefahren ist, so durchzieht er dürre Stätten, sucht Ruhe und findet sie nicht. Dann spricht er: Ich will wieder zurückkehren in mein Haus, aus dem ich fortgegangen bin. Und wenn er kommt, so findet er’s gekehrt und geschmückt. Dann geht er hin und nimmt mit sich sieben andere Geister, die böser sind als er selbst…“ (Matthäus 12,43-45a/Luther 1984).

Ich denke über Bibelverse nach, wo im griechischen Grundtext dasselbe Wort für ‚Ruhe‘ steht wie in Matthäus 11,29. Das hilft uns, über Ruhe nachzudenken und wir können uns einen Eindruck davon machen, was dieses griechische Wort beinhaltet.

Ein paar Abschnitte früher im Matthäusevangelium lesen wir von einem Menschen, der blind und stumm war. Dieser wurde zu Jesus gebracht. Uns wird eine Ursache für die Probleme dieses Menschen genannt: Er war von einem bösen Geist besessen.

Mir ist bewusst, dass nicht alle, die diesen Beitrag lesen, sich für Jesu Lehre über böse Geister und Dämonen interessieren. In der modernen Welt ist so etwas zumeist kein Thema.

Das wesentliche ist, dass Jesus diesem Menschen – aufgrund dieser Diagnose – helfen konnte. Andere könnten alle möglichen Rituale ausführen, weil sie denken, dass jemand besessen ist und diesem Menschen in Wirklichkeit nur zusätzliche Probleme bereiten.

Manche Menschen leiden unter Depressionen. Es geht ihnen dabei nicht immer gleich schlecht. Aber wenn die Depression über sie kommt, könnten sie das vielleicht auch in ähnliche Worte kleiden und sagen: Es ist wie wenn ein böser Geist über mich kommt.

Depressionen und psychische Zustände können sich auf das Sehen und auf das Hören auswirken. Zunächst einmal hat jemand der Kummer hat und trauert weniger Interesse daran, was um ihn herum vorgeht, was andere tun oder sagen.

Freilich geht Jesus hier einen Schritt weiter: Er spricht von dem bösen Geist als von einer Person. Er beschreibt, wie es einem bösen Geist ergeht, der von einem Menschen ausgefahren ist. Für den bösen Geist ist der Mensch, den er bewohnt, wie ein Ruhe-Ort oder eine Wohnung.  – Böse Mächte genießen es, wenn Menschen ihnen ausgeliefert oder auch hörig sind.

Wer unter Depressionen leidet, empfindet vielleicht eine gewisse Befriedigung darin, wenn er oder sie negativen Gedanken nachhängt.  Solche Gedanken könnten eine Reaktion auf Dinge sein, die einen ursprünglich bedrücken.

Zum Schluss noch eine andere Anwendung, die sich aus den Worten Jesu ergibt. Nach Zeiten großer seelischer Anspannung empfiehlt es sich, besonders darauf zu achten wie man sich verhält und was man tut. Der Druck und die Belastungen können eine Lücke hinterlassen. Womöglich tut man plötzlich irgendwelche sinn- und zwecklose Dinge, die einen nicht weiter bringen und die schlimmstenfalls neue Probleme hervorrufen.

Einem gläubigen Christen möchte ich deshalb raten, nach überstandenen Problemen wachsam zu sein. Es ist gut, sich gerade dann dankbar und vertrauensvoll an Gott zu wenden. Es hilft, wenn man bei dem Einen Orientierung sucht, der größer ist als alles was uns je belasten könnte.