Aussen „Hui!“ aber innen „Pfui!“?

30.5.12 002

„So auch ihr: von außen scheint ihr vor den Menschen fromm, aber innen seid ihr voller Heuchelei und Unrecht.“ (Matthäus 23,28/Luther 1984).

Äußere Fassaden können beeindrucken. Aber schade, wenn bei näherem Hinsehen alles ganz anders ist.

Kinder merken sich sehr genau, was Eltern ihnen in einem zuneigungsvollen Moment versprechen. Sie machen sich dann große Hoffnungen. Die Erfüllung eines Versprechens ist für sie ein wichtiges Zeichen der Liebe der Eltern. Wenn Erwachsene aber dann ihren netten Spruch längst wieder vergessen (oder gar sowieso nie ernst gemeint haben), dann ist der Nachwuchs sehr enttäuscht.

Man sagt, dass junge Männer, wenn sie ein Mädchen gewinnen möchten, alles daran setzen. Sie bemühen sich, die junge Dame glücklich zu machen. Sie sagen ihr, wie sehr sie sie lieben. Aber manchmal ist das alles nach der Heirat nicht mehr so wichtig. Die Ehe ist dann unter Dach und Fach. Die Frau ist dann vielleicht eine Art Besitz, den der Mann sich erarbeitet hat.

Vielleicht gibt es Prediger, die sich selber gerne reden hören. Sie genießen es, wenn andere aufmerksam dasitzen, während sie Gedanken zum Besten geben. Sie haben ein Gespür dafür, was bei christlichen Zuhörern gut ankommt und beeindruckt. Aber traurig, wenn solche Redner in manchen anderen Situationen, die Maßstäbe, die sie verkündigt haben, schlichtweg vergessen.

Heute spricht man von ‚Political Correctness‘. In manchen Kreisen gehört es sich, dass man bestimmte Meinungen vertritt. Aber muss man dann auch darüber nachgedacht haben, was man da eigentlich sagt? Hat man überhaupt unterstützende Argumente parat, wenn wider Erwarten plötzlich von irgendwo kritische Rückfragen kommen?

Wie dem auch sei. Menschen können wir beeindrucken und täuschen. Gott aber können wir nichts vormachen.

Die religiösen Führer, über die Jesus hier spricht, waren bei den Menschen als fromm angesehen. Gott aber entging es nicht, wenn sie sich in manchen Dingen ganz anders verhielten. Gott sieht hinter unsere Fassade.

Manchmal kann es recht anstrengend sein, einen äußeren Anschein aufrecht zu erhalten. Manche mögen versuchen, innere Konflikte durch Autoritätsgehabe und besondere Strenge zu überspielen.

Vielleicht kann man sein frommes Image aufrecht erhalten, wenn man die Wahrheit ein bisschen verdreht. Das könnte etwa so aussehen: „Ich war diesem Kind gegenüber immer unfreundlich und schroff. Aber niemand soll auf den Gedanken kommen, dass ich deshalb mitverantwortlich dafür sein könnte, dass er später zum Alkoholiker wurde. Ich habe diesen Jungen oft benachteiligt, aber das tut nichts zur Sache. Der war einfach schon immer so dumm. Manche sind einfach von Natur aus unvernünftig und dadurch ist ihr Schicksal vorprogrammiert. Daran lässt sich nichts ändern!“

Jesus blickte tiefer. Er erkannte: In eurem Inneren seid ihr voller Heuchelei und Unrecht. Das sagte er über die Schriftgelehrten und Pharisäer. Was würde er wohl über uns sagen?

Wer sich für etwas ausgibt, was er nicht oder nur teilweise ist, macht sich selbst Probleme. Ein Heuchler hat es schwer, wenn es darum geht, Sanftmut zu lernen. Wer immer etwas vertuschen muss, neigt vermutlich dazu grob und hart zu sein.

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