
Seit den 90er-Jahren des letzten Jahrhunderts haben wir oft von Skandalen in christlichen Kirchen, Gemeinden und Werken gehört: „Mitarbeiter haben Minderjährige sexuell missbraucht.“
Im MIttelalter haben Kirchenfürsten von der einfachen und armen Bevölkerung hohe Steuern abverlangt. Kirchen wurden reich, während viele ihrer Schäfchen hungern mussten.
Zur Zeit Martin Luthers wollte ein Papst eine neue Basilika bauen lassen. Dafür brauchte er Geld. KIrchliche Reiseprediger verkündeten: „Wenn das Geld im Kasten klingt, die Seele aus dem Fegefeuer springt.“ Menschen sollten Geld zahlen, dann würde die Kirche ihnen Gottes Vergebung gewähren.
Zur Zeit des Dritten Reiches haben viele Kirchenführer und Pfarrer ihre Botschaft an die Ideologie der Nationalsozialisten angepasst. Die „Deutschen Christen“ befleißigten sich, alle jüdischen Wurzeln des christlichen Glaubens zu verleugnen.
Im späten römischen Reich wurde das Christentum zur Staatsreligion erhoben. Seither gehörten sehr viele Menschen zur Kirche. Dadurch wurde es leichter, innerhalb der Kirche evangeliumsfremde Interessen zu verfolgen.

Jesus hat einmal das Reich Gottes mit einem Fischnetz verglichen:
„Wiederum gleicht das Himmelreich einem Netz, das ins Meer geworfen wird und Fische aller Art fängt. Wenn es aber voll ist, ziehen sie es heraus an das Ufer, setzen sich und lesen die guten in Gefäße zusammen, aber die schlechten werfen sie weg. So wird es auch am Ende der Welt gehen: die Engel werden ausgehen und die Bösen von den Gerechten scheiden.“ (Matthäus 13,47-49 Luther 1984).
Nebenbei bemerkt: In unserer Zeit werden in Fischernetzen viel zu oft auch Unrat und Plastikmüll mit an Land gezogen. Doch die Aussage des Gleichnisses bleibt dieselbe.
Das Reich Gottes ist wie ein Fischernetz. Nicht nur genießbare Fische landen in diesem Fischernetz.
Immer wieder gibt es Menschen innerhalb christlicher Gemeinden, die persönliche Interessen, persönliche Begierden oder politische Agenden über die Anliegen des Reiches Gottes stellen. Anstatt sich selbst zu verleugnen und Jesus nachzufolgen, haben sie ihre eigenen Ziele.
Solche Menschen gab es auch in der Gemeinde in Thyatira. An diese Gemeinde ist das vierte Sendschreiben im zweiten Kapitel der Offenbarung gerichtet.
In diesem Brief des Herrn geht es um eine Frau, die den Namen Isebel trug. Sie galt als Prophetin. Aber sie verführte Gemeindeleute dazu, Dinge zu tun, die nicht dem Willen Gottes entsprachen.
- Sie verführte zur Hurerei
- Sie verführte zum Essen von Götzenopfer
Sexuelle Freizügigkeit oder christliche Sexualmoral?
Durch Jahrhunderte hindurch galt in christlichen Klöstern das Keuschheitsideal. Mönche und Nonnen sollten sexuell enthaltsam sein.
Die christliche Ehe war etwas Heiliges. Nur im Rahmen der Ehe sollte Sexualität gepflegt werden. Ehepartner sollten einander ihr Leben lang treu bleiben.
Wo sexuelle Freizügigkeit propagiert wird, entstehen viele Probleme. Wilde sexuelle Beziehungen scheinen Brutstätten für Eifersucht und Neid zu sein.
Fernsehkrimis stehen nicht gerade im Verdacht, traditionelle christliche Werte hervorzuheben. Doch wenn sich herausstellt, dass ein Mordopfer eine außereheliche Beziehung hatte, fragen sich Fernsehermittler, ob diese Personen als Täter in Frage kommen. Enttäuschungen auf sexuellem Gebiet gelten in Fernsehkrimis als mögliches Mordmotiv.
Wen oder was verehren wir?
Wir lesen, Isebel, diese falsche Prophetin, habe Menschen innerhalb der christlichen Gemeinde verführt, Götzenopfer zu essen. Das ist Fleisch von Tieren, die im Rahmen einer kultischen Handlung zu Ehren einer Gottheit geschlachtet wurden.
Im Volksmund sagt man, Liebe geht durch den Magen. So konnte es sein, dass wer solches Fleisch gegessen hatte, auch eine Zuneigung für die entsprechende Gottheit entwickelte. Manche Kulte waren schrecklich. Kultische Prostitution konnte dazugehören, aber auch Menschenopfer.
Halte, was du hast!
Jesus wendet sich nun an diejenigen in der christlichen Gemeinde in Thyatira, die sich nicht auf die Lehren der falschen Prophetin Isebel eingelassen hatten. Er wollte diesen Gläubigen keine zusätzliche Last aufbürden. Er fordert sie aber auf, ihm treu zu bleiben, bis er kommt.
Treue bezieht sich nicht nur auf das Festhalten an der gesunden Lehre. Es geht auch um einen christlichen Lebenswandel.

Zu seinen Jüngern sagte Jesus:
„Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun.“ (Johannes 15,5 Luther 1984).