Ratschläge für Arme und Reiche

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„Ein Bruder aber, der niedrig ist, rühme sich seiner Höhe; wer aber reich ist, rühme sich seiner Niedrigkeit, denn wie eine Blume des Grases wird er vergehen.“ (Jakobus 1,9+10/Luther 1984).

Das griechische Wort, das von Luther in Matthäus 11,29 mit „demütig“ übersetzt wird, kann auch mit „niedrig“ übersetzt werden. Ich behandle Bibelverse, in denen dieses griechische Wort gebraucht wird.

Wir haben gesehen, dass Maria, sich selbst als niedrig und gering ansah, als der Engel ihr erschien und als sie berufen wurde, die Mutter des Heilands zu werden. Letzte Woche bin ich von einem Vers im Römerbrief ausgegangen und habe gezeigt, dass Jesus sich im Besonderen Sinne zu den Armen und Leidenden gesandt wusste. Heute möchte ich über obige Verse aus dem Jakobusbrief nachdenken.

Offensichtlich gab es sowohl im Judentum als auch in der frühen christlichen Gemeinde sowohl Reiche als auch Arme. Es gab einige, die in der Gesellschaft großes Ansehen genossen. Andere waren Leute, denen man im Allgemeinen eher wenig Beachtung schenkte.

Auch in christlichen Gemeinden in Deutschland gibt es wohlsituierte, wohlhabende und angesehene Menschen. Es gibt aber auch einfache Arbeiter und manchmal Leute, die arbeitslos sind. In christlichen Kreisen findet man manchmal Asylsuchende oder auch Hartz-IV-Empfänger. Es gibt auch christliche Hilfswerke, die sich um Straffällige, Alkoholiker oder Drogensüchtige kümmern und die eventuell versuchen diese an Kontaktpersonen in christlichen Gemeinden weiter zu vermitteln.

Für Jakobus war es also eine Realität, dass es Niedrige und Reiche gab. Er beschäftigt sich nun mit der Frage, wie der Einzelne mit seiner jeweiligen Situation umgehen sollte.

Dabei ist die Anweisung an die Reichen verhältnismäßig leicht zu verstehen. Hochgestellte sollen sich auf ihre Niedrigkeit besinnen. Auch solche Menschen haben Schwächen. Auch sie müssen einst sterben und das letzte Kleid hat bekanntlich keine Taschen.

Andererseits zeigt die Menschheitsgeschichte, dass sich die Dinge sehr schnell ändern können. Es kommt vor, dass ein Produkt mit dem man viel Gewinn machen konnte plötzlich aufgrund neuer Erfindungen nicht mehr viel gekauft wird.

Wirtschaftliche Rahmenbedingungen können sich plötzlich ändern. Auslandsexporte hängen von internationalen Beziehungen ab. Oder man denke an den sogenannten “Lock down“, den wir in den letzten Monaten erlebt haben. Viele mussten ihre Geschäfte schließen und wurden der Möglichkeit beraubt wie bisher ihr Geld zu verdienen.

Jakobus vergleicht reiche Menschen mit Wiesenblumen, die verblühen und verdorren.

Jakobus rät den Reichen gewissermaßen, sie sollen sich erden und sich auf ihre eigenen Grenzen besinnen. Dinge können sich plötzlich ändern. Dann stellt sich die Frage, was auch in neuen Lebensverhältnissen trägt.

Was bedeutet es aber, dass der Niedrige sich „seiner Höhe“ rühmen soll? Ich denke, Jakobus ermutigt die Armen, sie sollen sich nicht hängen lassen. Sie dürfen sich darauf besinnen, dass sie von Gott geliebt sind. Das macht frei, um eigene Möglichkeiten und Fähigkeiten zu erkennen und zu nutzen. Christen brauchen nicht zu verzweifeln, weil Jesus  gerade für die Niedrigen gekommen ist.