„Denn bei dir ist die Vergebung…“

Herbstbilder 9.11.14 020

„Wenn du, Herr, Sünden anrechnen willst – Herr, wer wird bestehen? Denn bei dir ist die Vergebung, dass man dich fürchte.“ (Psalm 130,3+4/Luther 1984).

Es ist so gut, dass Gott bereit ist, Sünden zu vergeben. Wir alle sind von Natur aus Sünder. Wir denken, reden und tun Dinge, die wir nicht tun sollten. Wir unterlassen vieles, was wir nach Gottes Gebot denken, reden oder tun sollten.

Was uns und unseren Lebenswandel betrifft, könnten wir nicht vor Gott bestehen. Wohl dem, der sich zur rechten Zeit demütig im Gebet an Gott wendet und ihn um Vergebung bittet.

„Denn bei dir ist die Vergebung, dass man dich fürchte.“ Dieser Vers war auch der Wochenspruch für den vergangenen Sonntag.

Einesteils erscheint der Gedanke paradox. Würde man einen unnachsichtigen Gott nicht viel eher fürchten müssen? Wer weiß, dass er Strafe verdient, hat großen Respekt vor dem, der ihn bestrafen wird und bestrafen kann.

Doch Angst vor einer Strafe, ist nicht die Art von Furcht, die wir vor Gott haben sollen. Wer sich fürchtet, weil er bestraft wird, wird deswegen nicht unbedingt sein Leben ändern. Er wird vielleicht versuchen zu vertuschen.

Wer nur Aussicht auf Strafe hat wird vielleicht in vielem innerlich gleichgültig. Es kommt dann auch nicht mehr so genau darauf an, wie man denkt, redet und handelt. Bestraft wird man sowieso.

Aber Gott ist ein Gott, der bereit ist, Sünden zu vergeben. Wohlgemerkt, dieser Vers steht schon im Alten Testament. Auch alttestamentliche Gläubige haben damit gerechnet, dass Gott vergibt.

Das Wissen um Vergebung kann bewirken, was die Aussicht auf Strafe nicht erreicht. Wer Strafe als einzige Lebensperspektive vor sich hat, wird dadurch vermutlich nicht sensibler, was Nächstenliebe angeht.

Gott aber ist bereit zu vergeben. Das bedeutet Gott liebt uns. Gottes Liebe und Vergebung eröffnet uns eine neue Lebensperspektive. Wenn Gott es gut mit mir meint und mir meine Verfehlungen vergibt, dann lohnt es sich, danach zu fragen, was Gott von mir möchte.

Gottesfurcht im biblischen Sinne beinhaltet, dass man auf die Gebote Gottes achtet. Wenn unsere Gottesbeziehung gesundet, weil wir Vergebung erfahren, dann werden Gottes Gebote wichtiger für uns. Das ist wohl der Gedanke in dem obigen Psalmwort: „Denn bei dir ist die Vergebung, dass man dich fürchte.“

Im Vaterunser beten wir: „Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.“ – Wenn Gott uns vergibt, spielt es auch eine Rolle wie wir mit anderen umgehen. Es passt nicht zusammen, dass wir für uns selbst Gottes Vergebung beanspruchen, aber anderen gegenüber nicht bereit sind zu verzeihen.

Nehmt auf euch mein Joch und lernet von mir, denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig…“ (Matthäus 11,29). Die Sanftmut Jesu zeigt sich unter anderem darin, dass er bereit ist, uns unsere Verfehlungen zu vergeben. Jesus lädt uns ein, von ihm Sanftmut zu lernen. Wir sollen auch bereit sein anderen zu vergeben, die uns gegenüber schuldig werden.

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