
Manche scheinen zu denken: „Wir sind halt immer die Guten. Die anderen, die sind immer böse und schlecht!“ – Eine solche Einstellung unterstützt die Bibel nicht.
Derzeit teile ich Gedanken über Briefe des Herrn Jesus an sieben Gemeinden in Kleinasien in den ersten Kapiteln der Offenbarung des Johannes. Heute komme ich zum dritten dieser Briefe, dem Sendschreiben an die Gemeinde in Pergamon.
In seiner Einleitung stellt Jesus sich mit den folgenden Worten vor: „Das sagt der, der da hat das scharfe zweischneidige Schwert.“ (Offenbarung 2,12b Luther 1984). Ein zweischneidiges Schwert hat eine Klinge, die beidseitig geschärft ist. Diese Klinge kann in mehrere Richtungen gleichzeitig schneiden.
Wer die Bibel lesen möchte, nur um hinterher über die böse Welt oder über die Ungläubigen zu schimpfen, der hat einiges nicht richtig verstanden. Die Bibel richtet sich zuerst an die Gläubigen. Jesus möchte mit seinem zweischneidigen Schwert auch innere Einstellungen seiner Gläubigen korrigieren.
Die Gläubigen in Pergamon hätten Grund gehabt bitter zu werden. Sie mussten miterleben, wie ein treuer Zeuge Jesu Christi namens Antipas in ihrer Stadt getötet wurde. Trotzdem hatten sie ihren Glauben an Jesus Christus nicht aufgegeben.
Freilich hätten sie auch keine Hetzkampagnen oder Shitstorms gegen die Täter beginnen können. Es bestand die Gefahr, dass noch weitere Gläubige getötet werden könnten.
Jesus sagt über die Gläubigen in Pergamon, sie würden da leben, wo der Satan wohnt. Der Teufel hat verschiedene Strategien, um der Gemeinde Jesu zu schaden. Eine Strategie ist Gewalt und Verfolgung. Die andere Methode erscheint sanfter, aber sie ist vielleicht die gefährlichere: Verführung.
Im Alten Testament lesen wir von einem Mann namens Bileam, der ein Prophet war. Er war angeheuert worden, um das Volk Israel zu verfluchen. Das konnte er aber nicht. Er wusste, dass das Volk Israel von Gott gesegnet war.
Dennoch konnten Bileams Geldgeber hinterher Erfolge verbuchen. Bileam hatte ihnen vorgeschlagen, das Volk Israel zu verführen. Wenn man zuerst erreicht, dass ein Gegner nicht richtig aufpasst, kann man ihn hinterher leichter besiegen.
In dieser alttestamentlichen Geschichte ließen Israeliten sich verführen. Sie hurten mit den Töchtern der Moabiter. Diese wiederum luden sie zu Opferfesten ein. Die Israeliten fingen an, auch diese fremden Gottheiten anzubeten.
Im Jakobusbrief lesen wir über Versuchung und Verführung: „Sondern ein jeder, der versucht wird, wird von seinen eigenen Begierden gereizt und gelockt. Danach, wenn die Begierde empfangen hat, gebiert sie die Sünde; die Sünde aber, wenn sie vollendet ist, gebiert den Tod.“ (Jakobus 1,14+15 Luther 1984).
Im Hebräerbrief lesen wir über das Wort Gottes: „Denn das Wort Gottes ist lebendig und kräftig und schärfer als jedes zweischneidige Schwert, und dringt durch bis es scheidet Seele und Geist, auch Mark und Bein, und ist ein Richter der Gedanken und Sinne des Herzens.“ (Hebräer 4,12 Luther 1984).
Gott geht es um unsere inneren Gedanken und Gesinnungen. Er achtet auf heimliche oder latente Begierden und Absichten. Er fragt nach unserer Motivation: Warum tun wir was wir tun.
Wer andere verführen will, wird versuchen, seine wahren Absichten nicht zu zeigen. Wer sich verführen lässt, gibt verborgenen Begierden und Gefühlen nach.
Das zweischneidige Schwert im Munde Jesu, das Wort Gottes, zielt in beide Richtungen. Das Wort Gottes ruft die Verführer auf, sie sollen von ihren bösen Absichten ablassen.
Gott möchte aber auch zu den Gläubigen, die den Verführungsversuchen ausgesetzt sind, sprechen. Er möchte ihnen die verborgenen Gedanken und Sinne ihrer Herzen aufzeigen und diese korrigieren.
Der Ruf „Tue Busse!“ im Sendschreiben an die Gemeinde in Pergamon richtet sich nicht in erster Linie an die Verführer, sondern an die, die sich vielleicht auf die Verführung einlassen könnten.
Gottes Wort möchte uns dazu führen, dass wir über unsere Einstellungen und sündhaften Neigungen nachdenken. Johannes hatte einst geschrieben: „Wenn wir aber unsere Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und reinigt uns von aller Ungerechtigkeit.“ (1. Johannes 1,9 Luther 1984).
Noch eine Geschichte über Verführung

Der Rattenfänger von Hameln ist zum Inbegriff eines Verführers geworden. Im mittelalterlichen Hameln gab es eine Rattenplage. Ein Fremder bot seine Dienste an, um die Stadt von den Ratten zu befreien. Ihm wurde ein bestimmter Lohn zugesagt. Er nahm seine Flöte und lockte damit die Ratten an. Dann führte er sie ins Wasser. Als die Stadt von den Ratten befreit war, wollten die Bürger den vereinbarten Lohn nicht auszahlen. Da nahm der Fremde seine Flöte nochmals. Diesmal lockte er die Kinder der Stadt, so dass sie ihm folgten. Dann führte er sie in einen Berg. In Hameln war die Trauer über die verschwundenen Kinder groß.
Die Kinder in der Geschichte ließen sich vom Rattenfänger verführen. Waren es die Flötentöne und das bunte Gewand des Rattenfängers, von denen sie sich locken ließen?
Worauf lassen wir uns ein? Für welche Einflüsse öffnen wir uns? Von welchen Menschen lassen wir uns prägen?
Was würde Jesus uns raten? Was bringt uns im Glauben weiter?
Wie viel Raum hat Bibellesen in unserem Leben? Denken wir über das Gelesene nach?
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