Hoch hinaus…

„Gott widersteht den Hochmütigen…“ (Jakobus 4,6/Luther 1984).

Derzeit versuche ich das Wort „demütig“ in Matthäus 11,29 anschaulich zu machen. Dieses Wort soll für uns ein Begriff werden, der mit Inhalt und Leben gefüllt ist. Heute möchte ich Demut erklären, indem ich über das Gegenteil davon, über Hochmut, zu sprechen komme.  

Der eingangs wiedergegebene Satz  ist in Wirklichkeit eine Weisheit aus dem Alten Testament die Jakobus aus dem Buch der Sprüche zitiert hat. Ich habe diesen Vers in Sprüche 3,34 nachgeschlagen und habe interessant gefunden, dass im Luthertext dort nicht von „den Hochmütigen“ die Rede ist. Dort heißt es: „Er wird dem Spötter spotten…“.

Ein Spötter ist jemand, der andere Menschen – oder auch Gott- sehr leichtfertig abkanzelt und in ein negatives Licht rückt. So ist auch ein Hochmütiger eine Person, die schnell dabei ist, auf andere (verächtlich) herabzublicken.

Früh in der Bibel finden wir eine Geschichte  die das Wort „Gott widersteht dem Hochmütigen“ oder auch „Er wird dem Spötter spotten“ illustriert. Ich meine den Bericht wie es dazu kam, dass Menschen sich auf der ganzen Erde verstreuten und dass sie sich gegenseitig nicht mehr verstanden. (Siehe 1. Mose 11,1-9).

Menschen wollten sich einen Namen machen. Sie setzten sich ein für damalige Verhältnisse überaus ehrgeiziges Ziel. Sie wollten aus gestrichenen und gebrannten Ziegeln (anstatt aus behauenen Steinen) eine Stadt und einen Turm bauen. Die markante Eigenschaft des geplanten Turms war, dass er bis zum Himmel reichen sollte.

Wir erfahren nichts darüber wie hoch ein Turm sein müsste, der bis zum Himmel reicht. Es geht aber wohl um ein Ansinnen, das Unmögliche zu verwirklichen. Sie wollten überlegen sein. Vermutlich wollten sie versuchen auch Gott Konkurrenz zu machen.

Sie wollten sich schützen, um in dieser Stadt zusammenbleiben zu können. Es scheint aber, dass Gruppen, die sich stark überhöhte Ziele setzen dadurch nicht unbedingt zusammengeschweißt werden. Wo jeder einzelne bis an die Belastungsgrenze oder darüber hinaus gefordert wird, kann das auch dazu führen, dass Menschen sich voneinander entfremden, dass sie sich nicht mehr richtig verstehen.

Diese Menschen wollten hoch hinaus. Sie trauten sich etwas. Sie setzten sich ein sehr mutiges Ziel. Man könnte sagen, sie waren hoch-mutig oder auch übermutig.

Überhöhte Ziele und übermäßige Anspannung können rücksichtslos  machen. Auf diese Weise können Menschen ihre Empfindsamkeit für die Bedürfnisse anderer verlieren.

Der biblische Bericht führt die darauffolgenden Ereignisse auf Gottes direktes Eingreifen zurück. Gott sagte: „Wohlauf, lasst uns herniederfahren und dort ihre Sprache verwirren, dass keiner des andern Sprache verstehe.“ (1. Mose 11,7/Luther 1984).

Gott widersteht den Hochmütigen. Wer Gottes Segen erfahren möchte, muss bereit sein, seine Ziele göttlichen und ethischen Maßstäben unterzuordnen.