Angst ist ein schlechter Ratgeber

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„Da aber viele Tage weder Sonne noch Sterne schienen und ein gewaltiges Ungewitter uns bedrängte, war all unsre Hoffnung auf Rettung dahin.“ (Apostelgeschichte 27,20/Luther 1984)

Angst ist ein schlechter Ratgeber. So sagt der Volksmund.

Einerseits kann Angst eine gesunde und hilfreiche Reaktion sein. Angst kann uns helfen, Gefahren und Risiken zu erkennen und einzuschätzen. Andererseits kann es passieren, dass man sich von Angst leiten lässt, die Hoffnung aufgibt oder auch anfängt, Dinge zu tun, die die Situation eigentlich eher schlimmer machen.

Sturmgeschichten bieten sich an, um über Angst zu reden. Wer erinnert sich nicht an die Begebenheiten, als die Jünger Jesu in einem Fischerboot auf dem See Genezareth unterwegs waren, und ein plötzlicher Sturm aufkam. Immer wieder wird erwähnt, dass die Jünger sich sehr fürchteten.

Der eingangs zitierte Vers stammt aus einer Seereise auf dem Mittelmeer. Zweihundertsechsundsiebzig Menschen waren in dem Schiff unterwegs. Es war ein größeres Schiff. Aber Unwetter und Stürme konnten trotzdem lebensgefährlich werden. Umso schlimmer, wenn es die ganze Zeit so dunkel blieb, dass man sich nicht mehr orientieren konnte.

Ich kann mich noch gut an eine Fahrt über den Ärmelkanal erinnern, als ein Sturm aufkam. Die ansonsten komfortable Fähre schaukelte bedenklich. Wenn man eine Treppe hinauf oder hinuntergehen wollte, musste man sehr aufpassen, dass man auch tatsächlich die nächste Stufe traf, weil sich das Schiff so sehr hob und senkte.

Freilich aber konnte ich damit rechnen, dass wir planmäßig am nächsten Tag ankommen würden. Die erwähnten Leute auf dem Mittelmeer hatten eine weitere Wegstrecke zurückzulegen.

Sie waren ursprünglich in Cäsarea in der Provinz Syrien in See gestochen. Sie wollten bis nach Italien fahren.

Nach einem Zwischenstopp hatten sich die Verantwortlichen entschieden weiterzufahren, obwohl schon viel Zeit vergangen war und bereits die Jahreszeit begann, in der Schiffsreisen auf dem Meer gefährlicher waren. Nun hatten sie es doch gewagt und waren in ein Unwetter geraten.

Wenn ein Schiff sehr schaukelt kann man seekrank werden. Bei dieser Reise haben die Schiffsbesatzung und die Mitreisenden wohl alle ihren Appetit verloren. Sie scheinen nicht mehr ans Essen gedacht zu haben, als das Unwetter tobte und es die ganze Zeit dunkel blieb.

Bei dem Sturm auf der Nordseefähre konnte man vielleicht versuchen, sich durch Essen etwas abzulenken. Allerdings glaube ich nicht dass ich damals besonders viel Appetit hatte. Schließlich kann es bei derartigem Schaukeln auch passieren, dass es einem schlecht wird und man das Gegessene erbrechen muss.

Mir ist noch eine weitere Sturmgeschichte eingefallen. Wer die Lebensgeschichte von John Wesley kennt, weiß, dass er als junger Missionar auf einer Reise über den Atlantik in einen Sturm geriet. Er war ein ordinierter Geistlicher. Doch das Verhalten einiger böhmischer Brüder aus Herrnhut beindruckte ihn sehr.

Sie waren angesichts der Gefahr für Leib und Leben viel gelassener als er selbst. Sie hatten eine innere Glaubenszuversicht, die er selbst trotz seines persönlichen Einsatzes für die christliche Mission und trotz seiner theologischen Ausbildung nicht kannte. Wesley empfand damals, dass ihm in seinem Christsein etwas fehlte.

(Wohl auch infolge dieses Erlebnisses besuchte er als er wieder in England war Versammlungen der Herrnhuter Brüder. Dort erlebte er schließlich was er später als seine Bekehrung bezeichnete.)

Auch Paulus war angesichts der großen Gefahren durch das Unwetter und die Dunkelheit erstaunlich ruhig. Er berichtet der ganzen Schicksalsgemeinschaft, Gott habe zu ihm geredet. Aufgrund dieses Erlebnisses konnte er der Besatzung und den anderen Mitreisenden Mut machen, dass sie alle mit dem Leben davon kommen würden.

Später lesen wir: „Und als es anfing, hell zu werden, ermahnte Paulus sie alle, Nahrung zu sich zu nehmen, und sprach: Es ist heute der vierzehnte Tag, dass ihr wartet und ohne Nahrung geblieben seid und nichts zu euch genommen habt. Darum ermahne ich euch, etwas zu essen, denn das dient zu eurer Rettung; es wird keinem von euch ein Haar vom Haupt fallen. Und als er das gesagt hatte, nahm er Brot, dankte Gott vor ihnen allen und brach’s und fing an zu essen. Da wurden sie alle guten Mutes und nahmen auch Nahrung zu sich.“ (Verse 33-36).

Schließlich liefen sie mit dem Schiff auf eine Sandbank auf. Ein Teil des Schiffes bohrte sich in den Sand. Der hintere Teil aber zerbrach, weil die Wellen darauf einstürmten. Die Menschen konnten bzw. mussten das Schiff verlassen und sich auf Planken oder sonst wie an das nahegelegene Land retten.

Ich möchte sagen, es war gut, dass sie nach einem vierzehntägigen Fasten noch einmal etwas gegessen hatten. So hatten sie sich wenigstens noch ein bisschen gestärkt, bevor sie versuchen mussten irgendwie das Festland zu erreichen.

Angst ist ein schlechter Ratgeber. Hätten sie sich die ganze Zeit von Angst leiten lassen, dann hätten sie vermutlich nichts mehr gegessen und die ganze Zeit auf die Probleme geschaut.

So aber fassten sie Mut und nahmen etwas zu sich. So konnten sie Kraft tanken, die sie schließlich brauchten, um sich an Land zu retten.

Angesichts der Gefahrenlage und der Angst machte Paulus diesen Menschen Mut. Sie aßen etwas und sie waren wieder empfänglich für den gesunden Menschenverstand.
Paulus zufolge ist gesunder Menschenverstand etwas, was der Geist Gottes in Menschen, die an Jesus glauben bewirken möchte. Er sagt, der Heilige Geist sei ein Geist der Besonnenheit:

„Denn Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.“ (2.Timotheus 1,7).

Demnach kann man Angst leichter bewältigen, wenn man sein Leben Jesus anvertraut und sich in Gebet und Bibellesen mit Gottes Gedanken beschäftigt. Das kann einen auf andere, bessere Gedanken bringen.

Wer Gott vertraut, weiß sich in Gottes Hand geborgen, was auch geschehen mag. An anderer Stelle ruft Paulus: „Tod wo ist dein Schrecken, Hölle wo ist dein Sieg?“

„Herr, bitte zeige mir, wie mein Leben in deinen Augen aussieht. Bitte, hilf mir, in allen Dingen zu Dir umzukehren. Bitte, erfülle mich mit Deinem Heiligen Geist, der ein Geist der Kraft, der Liebe und des klaren Menschenverstandes ist. Amen.“

 

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