Jesus in der Krise

Jesus erwies sich als recht umsichtig, als im Garten Gethsemane die bewaffneten Männer anrückten, um ihn zu ergreifen. Manche sagen, dass sich gerade in Schwierigkeiten der wahre Charakter und das Format eines Menschen zeigen.

Zuvor hatte Jesus alleine gebetet. Aus dem Bericht darüber wissen wir, dass es für Jesus obwohl er der Sohn Gottes war, eine sehr dunkle Stunde war.

Jesus hatte gehofft, die Jünger würden den Ernst der Lage erkennen und mit ihm wachen und beten. Aber die Freunde Jesu waren überaus müde und schläfrig.

Doch dann war es auch schon zu spät. Eine von den Hohenpriestern und Ältesten abgesandte Truppe rückte an. Sie waren mit Schwertern und Stangen bewaffnet. Der Evangelist Johannes erwähnt, dass sie auch Fackeln und Lampen dabei hatten. Es war Nacht.

Ebenfalls von Johannes haben wir die Information, dass Jesus diesen Leuten entgegenlief. Er fragte sie, wen sie suchten. Als sie seinen Namen nannten, sagte er freiheraus, dass er Jesus von Nazareth sei.

Die Männer trauten der Sache nicht und fragten nochmals nach Jesus von Nazareth. „Jesus antwortete: Ich habe euch gesagt, dass ich es bin, sucht ihr mich, so lasst diese gehen.“

In dieser dunklen Stunde dachte er an seine Jünger. Er forderte diese Mannschaft auf, sie sollten seine Freunde gehen lassen. Schließlich sei er ja der Gesuchte.

Alle Evangelisten berichten, dass einer der Jünger sich auf die Seite der Verfolger geschlagen hatte. Judas Iskariot hatte ihnen gesagt, wo Jesus und seine Jünger nächtigten. Er hatte auch ausgemacht, er würde Jesus mit einem Kuss begrüßen, damit sie wüssten, wen sie festnehmen sollten.

Einer der Jünger hatte auch ein Schwert bei sich. Nur von Johannes wissen wir, dass Petrus dieser Jünger war. Petrus wollte den Dingen nicht einfach ihren Lauf lassen. Deshalb benutzte er sein Schwert und verletzte einen Diener des Hohepriesters. Wir lesen, dass er diesem Mann das Ohr abhieb.

Demnach – so meine ich – muss das Schwert des Petrus wohl recht scharf gewesen sein. Offensichtlich konnte Petrus auch gut mit diesem Gerät umgehen. Er war in der Lage einen gezielten Schlag abzusetzen, der nicht den Kopf, sondern genau die Stelle traf wo das Ohr angewachsen war.

Wieder zeigt sich, dass Jesus auch in dieser Situation einen klaren Kopf behielt. Bei all seinem Können, hätte Petrus gegen die ganze Truppe nicht viel ausrichten können. Deshalb warnte Jesus ihn, er solle es genug sein lassen. Er wollte ihn vor einer bewaffneten Auseinandersetzung bewahren, die sein Leben hätte kosten können.

Nur der Evangelist Lukas berichtet von einem kleinen Detail, das vermutlich viele der Umstehenden gar nicht bemerkt hatten. Wir lesen: „Und er rührte sein Ohr an und heilte ihn.“ (Lukas 22,51b).

War es Feindesliebe, dass Jesus den Knecht des Hohenpriesters heilte? Vermutlich half er damit auch seinen Jüngern. Er wollte nicht, dass sie sich wegen einer Körperverletzung würden verantworten müssen. Außerdem wollte er (gerade jetzt) nicht, dass seine friedliche Sache durch eine Gewalttat seiner Jünger in Verruf käme.

Zuvor hatte Jesus Gott sein Herz ausgeschüttet. Wenn auch wir unsere Sorgen und Anliegen vertrauensvoll vor Gott bringen würden, könnten auch wir lernen, in Krisen gelassen, umsichtig und sanftmütig zu bleiben.

(Wer die entsprechenden Berichte in den vier Evangelien nachlesen möchte, kann dies hier tun: Matthäus 26,47-56; Markus 14,43-52; Lukas 22,47-53 und Johannes 18,1-11. Wer mehr über die Gebetszeit Jesu und die Schläfrigkeit der Jünger erfahren will, kann dazu Matthäus 26,36-46, Markus 14,32-42 und Lukas 22,39-46 lesen.)

IMG_3047HellerMOPT

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s